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Mittwoch, 26. März 2014

Tschernobyl-Zyklus (2) – Prypjat


Nicht weit vom Atomkraftwerk entfernt, war eine Neubaustadt für das Dienstpersonal und für tausende von Einwohnern gebaut worden. In Prypjat gab es moderne Häuser und die ganze Infrastruktur zum Leben. Die Leute lebten gut und zufrieden. Rundherum war Wald voller Beeren und Pilze, es gab Flüsse und Seen mit Fischen. Die Menschen verdienten gutes Geld, sie schafften sich ein Auto an, ein Boot. Die Frauen und Kinder begannen Fett anzusetzen; Übergewicht wurde sogar zum Problem.
Und plötzlich ereignet sich im Kraftwerk die laute Explosion. Die ganze Stadt hört es und erstarrt mit der stummen Frage – was war das? Wieviel Zeit verging, bis die Leute merkten, dass gegen sie ein nuklearer Angriff begonnen hatte? Erst nach zwei, drei Tagen wurden die verwirrten Leute in Autobusse gesteckt und aus der Zone weggebracht. Das ganze Eigentum: Kleider, Nahrungsmittel, sogar das Geld und die Ausweise waren verstrahlt und mussten in der Zone zurückgelassen werden. Der Mensch wird weggeschickt, beinahe nackt, einer ungewissen Zukunft entgegen. Das gleicht dem Tod, nicht wahr?

Und hier das erste Bild, welches sich mir bot, als ich in der Zone der Explosion in der Eigenschaft als Liquidator ankam. Prypjat nach dem Unfall: Eine  hochmoderne Stadt, die Häuser, die Geschäfte, die Autos  stehen verlassen  an der Strasse. Es sieht aus, wie eine Fotografie des bewegten Lebens. Eine erstarrte, menschenleere Stadt. Die einzigen Lebewesen in der Stadt sind die Hunde: Bulldoggen, Schäferhunde, Hunde welche von ihren reichen Besitzern zurückgelassen worden waren, um nun unter den schweren Bedingungen der Strahlung zu leben. Die Hunde versammelten sich in Rudeln, wählten ihre Anführer und repräsentierten eine organisierte Kraft. Mit ihnen wurde nur die Armee fertig. Sie erschossen sie mit Maschinengewehren von den Türmen der SPW und so war die Stadt vollständig leer.
Andreas Amsel-Rabe
Андрей Дроздов-Рабе

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