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Montag, 25. März 2013

Wiki-Detlef am Montag: Die Hanse

Die Länder der neuen Währung (N€ = Nord-Euro)


Durch die Hanse wurden Ostkolonisation und Deutscher Orden von der See her flankiert, ja überflügelt. Ein Problem ist die zeitliche Abgrenzung gegen die deutsche Ostbewegung und den Ordensstaat sowie gegen die spätere Rolle der Hanse, etwa bei den mit dem Aufstieg der skandinavischen Länder, vor allem Dänemarks unter Waldemar IV. Atterdag, verbundenen politischen Ereignissen. Die Hanse entstand aus dem Zusammenschluß von Kaufleuten: „hanse“ = Schar, Fahrtgenossenschaft, Karawane; Gilde = Organisationsform innerhalb des Zielortes, der Stadt selbst. Wirtschaftliche Voraussetzungen waren die Jahrmärkte und Messen, die wichtigste Organisationsform des sich im 13. Jahrhundert entwickelnden Fernhandels. Hauptfaktor war das Messenetz der Champagne – Lagny-sur-Marne, Bar-sur-Aube, Provins, Troyes – mit seinem von Januar bis Oktober fast ununterbrochenen Umschlag von Gütern aus dem Mittelmeerraum und Orient mit solchen aus Nordwesteuropa (Stoffe, Leder, Pelze, Gewürze; daneben Geldgeschäfte). Ab 1300 gab die Champagne ihre Monopolstellung an Genf und Lyon im Süden sowie im Norden an Brügge, später Brabant, Antwerpen, Bergen-op-Zoom ab. Dieser Wechsel bedeutet geographisch eine Annäherung an den Seehandel. Von den übrigen Messeorten – u. a. Frankfurt, Friedberg, Bozen, Linz – hatten gerade die östlich gelegenen (Breslau, Posen, Lublin, später auch Leipzig) einen weiten Einzugsbereich. Der Kaufmann überließ das nicht ungefährliche Ziehen „über See und Sand“, das Hausieren den Spediteuren, mußte also den Warentransport nicht mehr persönlich begleiten bzw. beim Umschlag anwesend sein. Die Revolution der Geschäftsführung – kalkulierender Gebrauch der Schrift, von Bürokratie, Kontor („scrivekameren“) und Kommission – erlaubt durchorganisierte Betriebe, Rationalisierung, Marketing, Kapitalisierung, Kreditwesen usw. Das früh entwickelte oberitalienische Geld- und Handelswesen (bargeldloser Zahlungsverkehr) wurde durch die Hanse in Deutschland eingeführt. Zu deren technischen Voraussetzungen gehört der Einsatz der Kogge, des damals leistungsfähigsten Lastschiffs überhaupt (Ladevermögen um 1300: bis zu 200 Tonnen, andere Schiffe nordischer Konstruktion: etwa 20-30 Tonnen). Zu den weiteren Voraussetzungen gehört einerseits die Siedlungsform der rational geplanten Stadt, Vorbild Lübeck: rechteckiger Marktplatz mit Kirche und Rathaus, durchlaufende, rechtwinklig gekreuzte Straßen als direkte Verbindung von Hafen und Markt. Andererseits der seit etwa 1200 von den deutschen Ostseestädten in großem Stil betriebene Heringsfang auf Schonen. Der Hering war nicht nur beliebteste Fastenspeise, er galt in der Volksmedizin auch als Universalheilmittel. Wie war das ganze Gebilde organisiert bzw. strukturiert? Zu beachten sind die Schritte von der voroffiziellen Hanse, d. h. der Vereinigung von Kaufleuten (Kölner Wein- und Tuchhändler in London; Gotländische Genossenschaften seit dem 11. Jahrhundert usw.) zu frühen Städtebündnissen (Reval-Lübeck 1259, Rostocker Landfrieden 1283) und zum Bund der „ghemeenen coplude uten Romeschen rike von Almanien“ (1347, Hamburg-Lübeck) bis hin zum Bund „von der dudeschen hanse“ 1358. Dieser umfaßte im 15. Jahrhundert mehr als 160 Städte, und zwar ohne besondere Verträge, Statuten (außer den „Rezessen“), ohne eigene Finanzordnung, Flotte, Beamten usw. Er gliederte sich in mehrere Gruppierungen oder „Quartiere“: Kerngruppe waren die „wendischen Städte“, daneben die sächsischen, märkischen, livländischen und westfälisch-rheinischen. Termini wie „tagfahrten“ und „verhansen“ erlangten eine gewisse Geläufigkeit. Doch eine ausgeprägte Organisation und eine markante Außenpolitik fehlten. Größere Aktionen betrafen meist nur interne Konflikte. Daten wie 1370 (Stralsunder Friede, Erneuerung der Handelsprivilegien durch den Dänenkönig), 1466 bzw. 1598 (Verlust der Privilegien in England bzw. Schließung des Stalhofes durch Elisabeth I.), der spanische Kaperkrieg 1418-43 oder die Episode Gullenwever 1533-37 zeigen eher die ökonomische Orientierung der Hanse oder eine vergebliche Tendenz zur Sicherung des Status quo, einen Verzicht auf so etwas wie Expansions- oder gar Kolonialpolitik. In solchem Zusammenhang sind Figuren wie Störtebeker zu sehen, der als Pirat den Handel parasitiert. Das Kontor Petershof wurde 1494 geschlossen. Die Insel Gotland (Wisby) war strategisch wichtig. Als Hauptzug des Seerechts kann das „wir alle im selben Boot“ gelten. Die Hanse trug bereits früh und dauerhaft dazu bei, das Randgebiet des geographischen Europa, Rußland vor allem, auch für das rechtliche, geistige und politische Europa zu gewinnen.

Dr. Detlef Thiel



In memoriam Anton J. Kuchelmeister


Anton J. Kuchelmeister: Theorie der spontanen und induzierten Emission von Exzitonen hoher Dichte, Freiburg i. Br. 1980 (zugl. Diss.; HochschulSammlung Naturwissenschaft. Physik, Bd. 6), ISBN 3-8107-2142-5 – 101 Seiten, € 13,00
In dieser Arbeit wird die strahlende Rekombination von Exzitonen hoher Dichte theoretisch behandelt. Zuerst wird das zeitliche Verhalten von Bilanzgleichungen für zwei verschiedene Prozesse der strahlenden Rekombination untersucht. Im weiteren werden für zwei Rekombinationsprozesse jeweils die Spektren der spontanen Emission und des Gewinns berechnet. Diese Spektren werden verglichen mit den Ergebnissen anderer Autoren, welche ein anderes Modell zugrundelegen.

Etwas ab & an an Anton geben
„da kommt typischerweise ein kleines Popup-Fenster hoch“
Der Kuchel der meistert alle Buchel
Nix ist ihm zu groß nix zu klein
es muß registerhaltig sein
„Any progress?“
Was vom Editor verkleistert
das wird vom Anton begeistert geleistert
Er scannt oze-errt lädt hoch & runter erledigt
schneidet schiebet färbet polieret retuschiert
die Buildln
„Im Namenverz. ist mir ein Eintrag aufgefallen, den ich nicht ganz verstehe: Fritz 290 (Nietzsche), 493 f. Ich nehme an, das stimmt so“
Er schaut präzise hin monokular
entdeckt noch in Derridas différance das a
Doch hat er wie Buster Keaton niemals gelacht
nur gelegentlich das Gesicht heiter verzogen
„Also am Ende kam ich zum Schluß: das menschliche Auge (plus powered by Hirn) ist doch besser, egal wie“
Im letzten Telefonat 28. September 2012 empfiehlt er mir den Film Crocodile Dundee II
dort gäbe es eine Szene wie in Mynonas Groteske Der umgekehrte Narziß
vorm Spiegel verwandelt ein Affe sich in einen Menschen
„quasi fertig (eine Schufterei, wie immer)“
In der Beschränkung zeigt sich erst der Kuchelmeister
„Sodele: jetzad isch s fedig!“
Leider!
„wir müssen da ,Ruhe im System’ lassen“
„ich lass sowas nicht ständig im Internet herumliegen“
18. März 2013

Detlef Thiel

(Gestern habe ich erfahren, dass Anton J. Kuchelmeister gestorben ist. Ich habe ihn im Sommer 2012 anlässlich der Sun Ra - Ausstellung in Herrsching das erste und zugleich das letzte Mal getroffen. Er war u.a. maßgeblich an der Gestaltung und Textverarbeitung der Friedlaender/ Mynona-Gesamtausgabe der Waitawhile-Editionen beteiligt und im Sun-Ra-Netzwerk sehr engagiert. 
H.A.)

Aktualisierung am 26. März 2013:

Hartmut Geerken schickte heute die Musikliste zur Beerdigung von AJK. Statt einen neuen Eintrag unter der Überschrift DJ Friedhof gibt der Daten-Messie einfach nur die Liste der gespielten Stücke wieder:

Edith Piaf - non, je regrette rien
Miles Davis - human nature
Waldo de los Rios - va pensiero (nabucco-verdi)
Sun Ra & his Arkestra - space is the place
Albert Ayler - music is the healing force of the universe
Georges Moustaki - haiti cherie
Simon & Garfunkel - bridge over troubled water
John Coltrane - a love supreme


From Somewhere in the World, you need to have at least a few pointers http://www.qsl.net/dk5tl/

Concerning Anton Kuchelmeister - Submitted by Christopher Trent http://p90.net/forum/saturn/43213

Salomo Friedlaender/Mynona – Gesamtausgabe: http://hartmutgeerken.de/html/friedlaender_mynona.html


Samstag, 16. März 2013

Mein Kampf mit der Chocolate Republic

Eintrag ins Gästebuch bei "das kremer –
Das Bremer Gästehaus"


Am Morgen fahre ich mit ICE von Berlin über Hamburg nach Bremen. In Hamburg muss ich umsteigen und dann geht es weiter mit dem Metronom nach Bremen. Auch diese Züge sind überfüllt und man findet kaum einen Sitzplatz. Ich habe Glück. Einer ist noch im Panoramawagen frei, neben einem Mann, der halb so groß ist wie ich, aber doppelt so kräftige Oberarme hat. Er trägt eine Sportjacke mit silbernem Kapuze. Als Smartphone würde ich ihm ein Galaxy S3 zuordnen - und so ist es dann auch. Ich schreibe ein wenig und versuche etwa 10 Minuten eine Tafel Schokolade von "Strauss Innovation" zu öffnen. Die habe ich am Berliner Hauptbahnhof gekauft. Ich glaube, die wird unter dem Begriff „Chocolate Republic by Maison Strauss“ vermarktet. Sie ist weiß mit roten Chilikörnern. Auf der Verpackung sehe ich eine rote Pfeillinie und ich vermute, dass man sie entlang dieser Markierung aufreissen kann, aber nichts dergleichen gelingt mir. Das durchsichtige Plastikmaterial ist einfach zu reissfest. Warum dann diese Linie? Können die nicht eine kleine Schere der Packung zufügen, aber hoffentlich nicht so, dass auch die Schere unter der Folie ist. Ich verliere trotzdem nicht die Geduld, zerre oben und unten und immer wieder an der roten Pfeilmarkierung. Endlich zerreisst die Verpackung, nachdem ich einfach an der Seite mit beiden Händen gezerrt habe. Inzwischen ist aber die Tafel durch mein Pressen, Zerren und Ziehen beinahe zerbröselt. Hinter mir schreit ständig ein Kind. Soll ich dem ein wenig von den Chili-Schokoladenbröseln geben, damit es sich beruhigt? Nein, eigentlich brauche ich nach diesem Kampf eher etwas zur Beruhigung. Ich esse die halbe Tafel. Sie schmeckt weder gut noch schlecht. Die muskulöse Silberkapuze neben mir scheint alles gar nicht zu bemerken.

Montag, 11. März 2013

Urheberrechtsverletzung & Währung "ä"

Virencoder! Vielleicht etwas zum Entschlüsseln


Unser Spam-Roboter Einhorn von Seyn-Weinstein filterte heute folgende Nachricht in unserem Postfach heraus. Es ist eine typische Angst-Mail mit einer Zip-Datei, die bei der Entpackung einen Virus freisetzt. Absender ist noreply@t-mobile.de.
Hier ist der Inhalt der Mail.
„Gegenstand unserer Beauftragung ist eine über Ihren Internetanschluss im Internet begangene Urheberrechtsverletzung als Teilnehmer eines so genannten Peer-to-Peer-Netzwerkes
Folgende Daten konnte unsere Mandantschaft - neben weiteren Einwahlen - aufgrund einer speziell entwickelten Software feststellen und beweissicher dokumentieren lassen.
Im Rahmen eines staatsanwaltlichen Auskunftsverlangens gemäß § 113 TKG wurde mitgeteilt, dass der festgestellte Internetanschluss auf Ihren Namen angemeldet ist, so dass Sie für die Urheberrechtsverletzung, welche unter Nutzung des Anschlusses begangen wurde, zivilrechtlich haften.“
Einige Tage zuvor erhielten wir eine Mail, die harmloser ist und einen Bericht enthält, wie man in der Wirtschaftskrise reich wird. Wirtschaftskrise? Merkwürdig ist, dass dieser Bericht in einer Art Drei- und Vierzeilerzeiler abgefasst ist und daher schon beinahe den Status von Lyrik erreicht.
Hier ist die Spam-Lyrik:
„Die Wirtschaftskrise hat mich hart getroffen,
aber auch schnell reich gemacht.

2011 kam es in der Autowerkstatt, in der ich arbeitete,
zu einem Unglucksfall. Der Chef wurde krank und konnte 
niemanden finden, der den kleinen Betrieb übernehmen 
wollte...

Folglich war ich einer der 5 Mitarbeiter, die plötzlich 
ohne Arbeit und - angesichts der hohen Arbeitslosigkeit 
in unserer Region - ohne Zukunftschancen dastanden.

Das war ein schwerer Schlag...

Ich wusste nicht, wohin ich gehen oder was ich tun 
sollte, da ich nur über die Arbeitserfahrung als 
Mechaniker verfugte, die ich in der Werkstatt 
gesammelt hatte...

Doch dann beschloss ein wohlhabender Freund, mir zu
helfen und erklärte mir, wie man - mit nichts außer 
einem Computer mit Internetanschluss - ein Vermölgen 
verdienen kann.

Ich habe ihn zu Hause besucht und konnte
kaum glauben, wie gut es ihm ging: Auto, 
Swimmingpool, Luxus-Soundsystem. Alles,
wovon man so träumt...

Wir setzen uns an den Computer und er zeigt mir
in nur wenigen Minuten, wie man 100 â*‚¬ verdienen kann. 
Es ist wirklich unglaublich - auch ich war ganz 
überwaltigt. 

Da ich so schnell wie möglich zurück nach Hause wollte,
um es selbst auszuprobieren, vergaß ich fast, mich bei
ihm zu bedanken.

Lange Rede, kurzer Sinn: Nach nur wenigen Wochen hatte ich
schon mehr Geld verdient als in 5 Jahren in der Werkstatt.
Man muss es erleben, um es zu glauben.

Und da ich viele Leute kennen, die sich
wahrend der derzeitigen Wirtschaftskrise kaum über Wasser 
halten können, habe ich eine Webseite erstellt, auf der 
ich genau erkläre, wie wie man vorgehen muss.“

* (Welche Währung ist „ä“)

http://www.trojaner-board.de/132077-t-mobile-spam-urheberrechtsverletzung-teilnehmer.html

Samstag, 9. März 2013

Plasmabrocken – Die Kunst der Zukunft

mimas atlas # 14


Zur Ausstellung von Wolfgang Müller unter dem Titel „Plasmabrocken – Die Kunst der Zukunft“ erscheint in der Reihe „mimas atlas“ im Hybriden-Verlag eine limitierte Künstleredition, die zur Ausstellungseröffnung bei K‘ - Zentrum Aktuelle Kunst in Bremen vorgestellt wird. 

Die Edition beinhaltet Reproduktionen von 18 Zeichnungen sowie eine Originalarbeit von Wolfgang Müller, signiert und nummeriert. Eine Video-DVD mit 19 Clips zur „Kunst der Zukunft“ liegt bei. 

Hier ist der Pressetext der Galerie:

Warum ist nicht alles schon verschwunden? –  fragte sich schon Jean Baudrillard, warum bleibt immer ein Rest? Auch der Kunst wird regelmäßig die totale Auflösung, ihr bevorstehendes Ende vorausgesagt. 

Wolfgang Müllers 2011 erschienener Science-Fiction Roman KOSMAS spielt in der Welt der Kunst und ihrer prophezeiten Auflösung. KOSMAS beginnt in der Gegenwart, in der tote, präparierte Echtkörper von den Medien und dem Kunstbetrieb erfolgreich als Spitzenwerke der zeitgenössischen Kunst präsentiert werden. Wolfgang Müller nennt das in seinem Roman: Die Salonkunst der Zukunft als Avantgarde der Gegenwart.

Medien, Effekte, Geld und Publikumsrekorde begleiten Künstler wie Damien Hirst (präparierte Tiere) bis Gunter von Hagens (präparierte Menschen). In KOSMAS geht die Kunst über die Tier- und Menschenleichen. Sogenannte Plasmabrocken lösen eine Revolution in der Kunstgeschichte aus. Diese organischen Kunstwerke sind eigenständige Lebewesen: "Fasziniert verfolgten die Sammler, wie sich ihr Kunstwerk selbstständig machte. Manche hatten ihm sogar Sprechen, Lesen und Laufen beigebracht." In Zeichnungen und Materialinstallationen nähert Wolfgang Müller sich dieser Kunst der Zukunft an.

Ein Sinnbild hierfür wäre die Möbiusschleife, von der einige luzide und farbige Exemplare in der Ausstellung gezeigt werden. Die Möbiusschleife, eine antihierarchische, amorphe und im Grunde gestische Form: „Ihr Oben und Unten sind ununterscheidbar. Sie kennt kein Innen und kein Außen, weil ihr Außen das Innen und ihr Innen das Außen zugleich ist. Sie trennt und vereint gleichermaßen", schrieb Wolfgang Müller einmal. Man kann auch nicht so genau sagen, ob die Möbiusschleife lebendig ist oder zur toten Materie gehört. Entstehen ihre Bewegungen im Raum aus eigenem physischem Antrieb, oder durch äußere Umstände, wie etwa Wind und Wärme?

Dann gibt es aber auch noch den Versuch, Totem Leben einzuhauchen: Wolfgang Müller hat sich mit den wissenschaftlichen Vermerkungen ausgestorbener Vogelarten auseinandergesetzt und versucht, Gesang und Gestalt zu rekonstruieren.

Ausstellung vom 16. März – 19. April 2013

Vernissage: Freitag, 15. März, 19 Uhr
Vortrag: Donnerstag, 18. April, 20 Uhr
Lesung: Sonntag, 21. April, 19:30 Uhr


K' – Zentrum Aktuelle Kunst
Alexanderstraße 9b
28203 Bremen


Öffnungszeiten:
Freitag, 16 - 19 Uhr | Samstag + Sonntag, 14 - 17 Uhr | Und nach Vereinbarung


Im Rahmen der Ausstellung "Bandsalat - Aufnahme, Rücklauf, Wiedergabe, Stopp" sind im Studienzentrum für Künstlerpublikationen in der Weserburg noch bis zum 05.05. Audiokassetten von Wolfgang Müllers Band Die Tödliche Doris zu sehen.

Mit freundlicher Unterstützung durch den Senator für Kultur Bremen

K' – Zentrum Aktuelle Kunst: http://www.k-strich.de

mimas atlas: http://www.hybriden-verlag.de/hybriden/seiten/media-mimas.html

Weserburg – Museum für moderne Kunst: http://www.weserburg.de

mimas atlas - Vorstellung: http://www.youtube.com/watch?v=14LghXWhRPM

Donnerstag, 28. Februar 2013

Ballonfahrer auf der Venus


Am Samstag, den 2. März wird im freien Künstlerradio reboot.fm aus Berlin um 20 Uhr die erste Folge von "Elektronikengels Botschaft" gesendet. Am Mikrofon: Hartmut Andryczuk


Elektronikengels Botschaft # 1 - Astronomie und Literatur

Zu Gast ist der Astrophysiker und Schriftsteller Ulrich Woelk. 

Themen: Von der Astrophysik zur Literatur und von der Literatur zur Astronomie. Sternwarten in der Atacama-Wüste. Die Rakete zu den Planetenräumen: Hermann Oberth und Wernher von Braun. Apollo 11 - For all Mankind. Mondlandung und Verschwörungstheorien. Literatur: „Freigang“ und „Was Liebe ist“. Ökonomie des Weltraums. Marsmissionen: Curiosity auf der Suche nach Wasser. Kolonisierung der Venus - Ballonfahrer-Generationen in den oberen Atmosphären? Cassini-Huygens-Mission. Saunabaden auf dem Saturnmond Titan. Der Jupitermond Europa und seine unterirdischen Ozeane. Deep Space Missionen zum Jupiter und Saturn. Terraforming. Mondreisen in der Antike. Exoplaneten und die Suche nach außerirdischem Leben. Die Einsamkeit des Astronomen.

Ulrich Woelk, Astophysiker und Autor. Studium in Tübingen, welches er 1987 mit einer Diplomarbeit über ein Thema aus dem Gebiet der Chaostheorie abschloss. 1991 promovierte er an der Technischen Universität in Berlin. Bis 1994 war er am Institut für Astronomie und Astrophysik dieser Universität als Astrophysiker mit dem Spezialgebiet Doppelsterne tätig. Seit 1995 lebt Woelk als freier Schriftsteller in Berlin. 1990: Aspekte-Literaturpreis; 1992: Stipendium des Deutschen Literaturfonds; 1999: Stipendium der Stiftung Preußische Seehandlung. Werke (Auswahl): Freigang, Frankfurt am Main 1990; Literatur und Physik, Stuttgart 1994; Die letzte Vorstellung, Hamburg 2002; Die Einsamkeit des Astronomen, Hamburg 2005; Schrödingers Schlafzimmer, München 2006, Was Liebe ist, 2012. Fachliteratur: Zyklotronstrahlung in teilchengeheizten Atmosphären magnetischer Weißer Zwerge, Berlin 1991.

Montag, 25. Februar 2013

USB für UBS

Spam: Wie doof kann man eigentlich sein?


Die schweizer Großbank UBS schreibt dem Datenmessie:

Sehr geehrter Kunde,

Kürzlich zeigen unsere Aufzeichnungen, dass Ihr UBS-Konto möglich durch einen Dritten unbefugten Zutritt.

Die Sicherheit Ihres Kontos ist unser wichtigstes Anliegen, deshalb haben wir beschlossen,
den Zugang zu Ihrem Konto vorübergehend zu begrenzen. Für den vollen Zugang zu Ihrem
Konto, Sie müssen Ihre Daten wiederherstellen und bestätigen Sie Ihr Konto über diesen Link: Hier klicken

Sobald Ihre Angaben überprüft und bestätigt, erhalten Sie eine Nachricht von uns erhalten und wird Ihr Konto komplett zugreifen
wiederhergestellt. Wir danken Ihnen für Ihre Kooperation.

Mit freundlichen Grüßen,
UBS AG
Bahnhofstrasse 45 8001 Zurich

UBS AG    CH-8098 Zurich
SWIFT (BIC):    UBSWCHZH
BIC: UBSWCHZH80A

Wir antworten:

Sehr geerdte Dahmen und Herren,

ihr Linck funktioniert nicht leider. Wir haben diese sofortige E-Mail via USB mit ihren UBS-Account-Daten-Traffic gesichert. Bitte unterlassen Sie sperren unser Konto.

Mit freundlichem Auftrag:

Daten-M., Berlin.

Mittwoch, 20. Februar 2013

Held mit Hammer (Thor Steinar Multikulturell)

Mikula Lüllwitz, Collage


Soeben ist der Hybriden-Informationsbrief 1.2013 mit folgendem Inhalt erschienen: neue Editionen & Aktionen im ersten Quartal 2013.

MMM-DIARIUM 3/2012 – Held mit Hammer im Hotel Hopfensee in Hopfen am See
Diarium von Hartmut Andryczuk vom 1. August bis zum 31. Oktober 2012.
Themen: Ein Mykologe im Deutschlandradio, stilvolle iPad-Taschen von Piel Frama, Friedrich Jürgenson, Gundi Feyrer, Planetenforschung, „Arbeit & Struktur“ von Wolfgang Herrndorf, Kniphofia obscura, Inox Kapells Insekten-Interview, Ornintophonia, Ali Mongo, Druck & Buch Erlangen, Die Norm bei reboot.fm, Sun Ra, Riechende Rentner im Sportstudio, Postkartenentwurf Valeska Gert, Leonard Cohen in der Waldbühne, Riesen-Mallophagen in Bad Saarow, Jaap Blonk, Pflegehundegreis „Seppi“, Apple Aktien Stop Loss, Frankfurter Buchmesse, Dr. Detlef Thiel und Heinz-Ludwig Friedlaender, Füssen, Hopfen & 2 E-Bikes, Raum 0 und Vitamin B12-Mangel.
Künstlerische Originalarbeiten von Hartmut Andryczuk, Eric Zboya, Mikula Lüllwitz, Freddy Flores Knistoff und Ottfried Zielke.

VOKABELKRIEGER VII GLÜCK
Ein originalgrafisches Jahrbuch, herausgegeben vom Kunstraum:Sylt Quelle und dem Hybriden-Verlag, Berlin. Erstveröffentlichte Texte und künstlerische Originalarbeiten von Katharina Bendixen, Dietmar Becker, Chirikure Chirikure, Arne Rautenberg, Franziska Gerstenberg, Ricardo Rojas Milesie, Martin Glaz Serup, Christophe Carbenay, Anna Kaleri, Susanne Nickel, Myriam Keil, Andrew Tshabangu, Mbali Kgosidintsi, James Burns, Kerstin Kemper, Mareike Krügel, Freddy Flores Knistoff, Nikolai Madzirow, Inox Kapell, Afrizal Malna, Johannes Häffner, Petra Morsbach, Daniel Mylow, Peter Zitzmann, Markus Orths, Felix Weinold, Michael Roes, Hartmut Andryczuk, Peter Stamm, Tuomo Manninen und Thomas Stangl.
Herausgeber: Indra Wussow & Hartmut Andryczuk, Rantum/Sylt und Berlin 2013


Geerken / Tchicai / Moye The Freetown-Concert
Edition, signiert  mit DVD-Video. Erschienen in der Reihe „Elektronikengel“. Auflage: 75 Ex., Berlin 2012.


Erscheint demnächst:

Wolfgang Müller Plasmabrocken - Die Kunst der Zukunft
DVD-Video mit Zeichnungen und einer Originalarbeit.
„mimas atlas # 14“, Berlin 2013.

Die Edition erscheint anlässlich der gleichnamigen Ausstellung von Wolfgang Müller am 15. März bei K' - Zentrum Aktuelle Kunst, Bremen.

Weiterführende Links:





Sonntag, 17. Februar 2013

Fliegendes Spinnenwesen



Moye tutet auf einem Muschelhorn. Tchicai, ganz in Weiß, schlägt Wasser in roter Plastikwanne. Die Kamera schwenkt für einige Minuten auf eine Wand, wo ein s/w-Ausschnitt läuft aus Geerkens found footage opus Die weiße Leinwand ist ein rotes Tuch – Felsbrockenwerfen im Sakko, Christian Burchard der Embryo, Wanderung in Afghanistan, verschneiter Schrott, US-Fetzen, Martin Luther King, die Monroe, europäischer Salat. Derweil repetiert Tchicai eine Phrase, Moye agiert solo. Kurze schwarze Pause, dann geht’s los. Milo Jazz, die siebenköpfige Trommelgruppe der National Dance Society von Sierra Leone, kocht uptempo mit einer so irrwitzigem Präzision, daß das bloße Wort Metronom schon zur Beleidigung wird. Moye dabei, close ups zeigen djembes, Schlitztrommel, kleine Trommeln und agogo. Tchicai erzählt und malt Bilder, er steht halb im Publikum, das auf Stühlen aufgereiht mit starrer Verwunderung das Geschehen verfolgt. Die Weißen bleiben konzertant steif sitzen, selten bewegen sie ihre Köpfe, man weiß nicht ob gelangweilt oder amüsiert. Sehr hübsch die jungen Damen in der ersten Reihe, die, in Röcken, alle ihre linken Knie übers rechte gelegt haben. Die Schwarzen, meist in erlesenen Roben, scheinen zu wissen was da vorgeht. Waren etwa 200 Leute in der Halle? Walter Mertins von der deutschen Botschaft hatte mit klarem Auge eine ruhige Hand an der Videocamera, einer Neuheit in dieser Gegend. Blick um Blick addiert sich ein Gesamteindruck von dem denkwürdigen Ereignis am 6. April 1985 in Freetown. Tchicai deklamiert, Geerken präpariert Piano und Radio, was sich nahtlos in die schwarzen Kontexte einfügt. Die Kamera geht hinter die Bühne, schaut über verschiedene Schultern. Moye liefert eines dieser unendlich intensiven, nahtlos fließenden drum-Soli, oben der Paiste-Mond, dann oszillierendes cymbal work. Ein schwarzes Tanzpaar, und Geerken spielt eine seiner Lieblingsrollen, den Hauskasper: einen singenden Schlauch in eine tibetischen Kurztube gesteckt, schwingend und trötend, läuft er überall herum durchs Publikum. Am Schluß löst sich’s auf in ehrlichen starken Applaus, sie wollen doch more. – Dann was Anderes, ein rares ethnographisches Dokument. Gute 18 Minuten ohne Ton. Das regt an. Gefilmt von Geerken und Sigi Hauff, Super-8. Musikfest in Rokupr, einem Ort an der Grenze zu Guinea. Happy black folks: der Geist, der Baldachin, ein T-Shirt „Jumbo“, Cube, ineinander verfilzte Tänzerklumpen, linksdrehend, riesige Zanzas, die Trommlerinnengruppe, Kinder, Farben, Durcheinander – – Im Hybriden Verlag des nimmermüden Hartmut Andryczuk ist also erschienen, was im Juniheft des JP, S. 78 angekündigt wurde. Der letzte Satz muß nur leicht korrigiert werden: Es sind doch nicht die Musiker, die sich an Lianen baumwärts schwingen, sondern, ganz am Schluß, ein Artist, der als fliegendes Spinnenwesen in einem Geflecht von Seilen zwischen zwei langen Stangen acht oder zehn Meter hoch in der Luft überm Publikum unglaubliche Faxen macht .... Afrika hoch! Sowas wie der Felix Ultraschall-Baumgartner war dort schon längst bekannt! Daß auch dies ein Denkmal für John Tchicai werden sollte, konnte keiner vorher wissen.
Detlef Thiel
Hartmut Geerken/John Tchicai/Famoudou Don Moye: The Freetown Concert, Berlin: Hybriden Verlag 2012 (Reihe: Elektronikengel), DVD-Video, Buch (16 p., Text von Sigrid Hauff, Fotos), Auflage 75 Exemplare, 68 min


Donnerstag, 7. Februar 2013

Maßnahmen des Erscheinens



Detlef Thiel 
Maßnahmen des Erscheinens 
Friedlaender/Mynona im Gespräch 
mit Schelling, Husserl, Benjamin und Derrida 

Es geht um die Umkehrung jener „Maßnahmen des Verschwindens“, von denen Salomo Friedlaender/Mynona (1871-1946) im französischen Exil betroffen war, der Deportationen. Nach Jahrzehnten des Vergessenseins beginnt er in einer umfangreichen Werkausgabe wieder zu erscheinen. Als Satiriker und Parodist wurde er seit 1910 bekannt mit oft abgründigen Grotesken, Parodien, Novellen und einem „Unroman“. Philosophisch geprägt von Schopenhauer, Nietzsche und Kant, führt er die alte Denkfigur von Polarität und Indifferenz zu ganz neuem Leben und zu ungeahnten Konsequenzen. Der Mitherausgeber jener Edition stellt in fünf exemplarischen Kapiteln den Philosophen vor. Schelling und seine Nachfolger arbeiteten mit naturphilosophischen Begriffen von Polarität und Indifferenz, wiesen dem Ich, dem Subjekt jedoch keine so zentrale Funk-tion zu, wie Friedlaender das tut. In Husserls Phänomenologie spielt die Polarität eine unreflektierte, naive Rolle. Benjamin war stets ein eifriger und origineller Leser Friedlaender/Mynonas; die zahlreichen Hinweise und Anspielungen werden hier erstmals dokumentiert. Bei Derrida finden sich viele Elemente, die bei Friedlaender in Rohform auftauchen; beide kommen sich am nächsten in der Konfrontation von différance und Schöpferischer Indifferenz. Die Extreme berühren sich, das Identische entzweit sich. Das Buch stellt die polaristischen Denkfiguren zur Diskussion und präsentiert einen der erstaunlichsten Schriftsteller deutscher Sprache. 

„So hat diese unbedingte Reinheit & Richtigkeit, Pünktlichkeit des Innens, des ICH, am Außen, am Bruch, an der Differenz, dem Abgrund: an Teilung, Trennung, Wechsel, Zufall denn ihr Übungsmaterial, ihr Nessushemd, ihre Feuerprobe, ihre Folterung.“ 
Salomo Friedlaender/Mynona 

Detlef Thiel, geb. 1957, freier Philosoph; Mitherausgeber der „Gesammelten Schriften“ von Salomo Friedlaender/Mynona (13 Bände bisher); Bücher zu Derrida (1990) und Platon (1993); Aufsätze und Rezensionen zu diesen sowie zu Cusanus, Ficino, F. Bacon, Kant, Husserl, Patočka u. a.