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Samstag, 26. Januar 2013

Männer im Aufgebot

Magazine for the "Next Society"?


Wolfgang Müller bekommt am 21. Januar eine Anfrage: 

Von: T. V.  - XXX Magazine <v@xxx-magazine.net>

Betreff: Beitrag XXX – Magazine for the Next Society
Datum: 21. Januar 2013 14:12:57 MEZ
An: wolfgang.mueller@XXXXXXXX.de

Lieber Wolfgang Müller,

ich erlaube mir, Sie einfach anzuschreiben. Es geht um den Leitartikel der nächsten Ausgabe der XXX – Magazine for the Next Society "Communities", der – gewissermaßen exemplarisch – die Gemeinschaften Berlins oder Berlin als kreativen Motor für Gemeinschaftsmodelle vorstellen soll. Das erschien uns sinnvoll, weil wir unser Profil als neues Berliner Gesellschaftsmagazin schärfen wollten und Berlin tatsächlich vieles von dem bietet und vorlebt, was wir im Laufe des Heftes betrachten. 

Eigentlich wollten R. E. und ich den Beitrag selbst schreiben, aber im Laufe der Arbeit daran haben wir beide unabhängig voneinander festgestellt, dass wir eigentlich ein anderes "Kaliber" bräuchten. Berlin ist ein großes Thema, erst Recht, wenn man die Geschichte mitschwingen lässt (was sich in vielerlei Hinsicht sicherlich nicht vermeiden lässt…). Zudem geht es in dem Heft um Gemeinschaften. Daher haben wir uns überlegt, das es am treffendsten wäre, mehrere Leute darüber schreiben zu lassen, die Perspektive also "aufzusplitten".

Das Mauerberlin und die Kreuzberger Szene interessiert uns dabei als Perspektive sehr, weil die Insellage West-Berlins und die Szenen, die sich dort entwickelt haben, aus unserer Sicht in gewisser Weise "prägend" für die Entwicklung Berlins waren. Die genialen Dilletanten, die sie in ihrem Buch beschrieben haben, stechen dabei markant heraus. Es ginge darum, ein Teil der alten "Subkultur" Berlins zu beschreiben und zu überlegen, wie sich das auf die Entwicklung der Stadt und Ihre Gemeinschaften oder den Mythos davon ausgewirkt hat. Könnten Sie sich vorstellen, einen kleine Beitrag von ca. 2.000 bis 4.000 Zeichen für unser XXX-Magazin zu schreiben?

Es würde uns sehr freuen, wenn Sie "dabei" wären. Das Umfeld des Artikels wird sicherlich auch attraktiv sein. Bebildert wird der Artikel von Ben de Biel. Auf den "Gemeinschafts-Artikel" werden in der Ausgabe ein Doppelinterview mit Daniel Libeskind und seiner Tochter Rachel sowie ein sehr persönliches Interview folgen, das wir mit Muhammad Yunus geführt haben. Zudem gibt es Beiträge von Ernst Handl, Clemens Setz, Kevin Kuhn, Charles Snow, Dirk Rustemeyer, Ernst Handl und vielen anderen. 

Ich muss aber gleich anmerken, dass wir nichts zahlen können. Wir werden von einer gGmbH getragen und sind nicht nur non-profit, sondern zudem im Umbruch. Es wäre aber plausibel und möglich, im Magazin auf Ihr Buch hinzuweisen. Zudem entwickeln wir mit R. gerade Veranstaltungs- und Salonkonzepte, bei denen wir "unsere" Autoren und Künstler präsentieren und dann – wenn alles klappt – auch Honorare zahlen. 

Ich würde mich sehr freuen, von Ihnen zu hören. Ein Teaser und Impressionen zur XXX hängen dieser Mail an. Wenn Sie Fragen haben, wende Sie sich jederzeit gerne an mich…Wenn Sie wünschen, schicke ich Ihnen auch gerne ein XXX per Post zu.

Beste Grüße,

T. V.
(Chefredakteur)


Bevor Wolfgang Müller darauf antworten kann, bekommt er am folgenden Tag, dem 22. Januar eine Absage mit folgender Begründung:  


From: T. V. – XXX Magazine 
Sent: Tuesday, January 22, 2013 1:57 PM
To: wolfgang.mueller@xxxx.de 
Subject: Fwd: Beitrag XXX – Magazine for the Next Society

Lieber Wolfgang Müller, 

weil sich bei uns der Druck gerade verschärft hat und uns zudem aufgefallen ist, dass wir bisher nur Männer im Aufgebot haben, habe ich vorhin Ernst Handl angerufen. Er hat den Kontakt zu X X hergestellt. Ich habe ihr von der Idee erzählt und sie fand sie sehr gut. Sie schreibt jetzt etwas für uns. Bitte verzeihen Sie die Verwirrung. 

Wenn Sie aber unserem Magazin interessiert sind, schicke ich gerne ein Exemplar vorbei und wir können gucken, welche Themen und Formate der übernächsten oder überübernächsten Ausgabe eventuell für Sie passen könnten. 

Wenn wir "in Kontakt" bleiben könnten, würde mich das also sehr freuen. Was denken Sie?

Beste Grüße,

T. V.
(Chefredakteur)



In Kontakt bleiben? Wolfgang Müller antwortet zum ersten und letzten Mal:

Am 22.01.2013 um 18:42 schrieb <wolfgang.mueller@xxx.de>:


Lieber T. V.,

den Druck verschärft? Klingt irgendwie mysteriös... Abgesehen vom nun unpassenden Geschlecht bin ich natürlich nicht in der Lage, ein 600 Seiten Kompendium, in welchem drei Jahre meiner Tätigkeit und Konzentration stecken, in Windeseile für eine mir bis dato völlig unbekannte Publikation gratis auf 2.000 Zeichen zusammenzufassen.  

Ich habe mir mal vorgestellt, der Schriftsteller Gustave Flaubert hätte das Angebot erhalten, nach Verfassen seines Werkes Bouvard & Pécuchet  eine kurze Zusammenfassung für ein Magazin zu erstellen. Der wäre womöglich irre geworden, bei dieser Fülle an gesammeltem Material -  aber er starb ja bereits ein Jahr vor Veröffentlichung seines Werkes und konnte das Lexikon der Dictionnaire des idées reçues nicht mehr zu Ende schreiben. Sehr schade! 

Da ich als freischaffender Autor, Musiker und Künstler von diesbezüglichen Einkünften lebe, wäge ich jede an mich gerichtete Anfrage ab, in welchem Verhältnis Aufwand/Honorar/Zeit zueinander stehen - um auch weiterhin “frei”-schaffend tätig bleiben zu können. Stichwort: Generation Praktikum, Sie wissen schon, was ich meine ;-) Den Luxus, Artikel ohne Honorar zu schreiben, leiste ich mir zwar gelegentlich auch – auch das sind dann reine Freundschaftsdienste oder konkrete Benefizaktionen. 

Ich muss zugeben, dass die Strategie zunächst bei einer Person (nämlich mir) anzufragen, einen Tag darauf mit einer nachgelieferten Begründung abzusagen, nicht unbedingt nach gutem Management klingt – offen gesagt – es wirkt sogar ziemlich desorganisiert und unprofessionell.  Dass die Menschen – aller Geschlechter – keine Objekte sind, die für kostenlose Dienstleistungen nach Belieben auszutauschen sind, wenn es irgendwem gerade irgendwie zufällig einfällt oder ihm gerade auffällt, dass die Geschlechter auch heute keineswegs gleichberechtigt sind,  ist ja ein zentraler Punkt meines Buches. Ich würde mir sehr wünschen, dass Sie und Herr E. H. sich die Gleichstellung von Mann und Frau zu einem grundsätzlichem Anliegen ihres Wirkens machen – aber bitte zukünftig nicht “spontan” oder nach “Lust & Laune”.

viel Erfolg auf Ihrem weiteren Lebensweg,
wünscht

Wolfgang Müller  

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